Paul Melcher
ist ein einflussreicher Manager im Bereich visueller Technologien mit über 20 Jahren Erfahrung in den Bereichen Lizenzierung und technologische Innovation.
Er bekleidete Führungspositionen bei den Fotoagenturen Corbis, Gamma und weiteren Unternehmen und hat einen - auch für Pressefotograf:innen - höchst interessanten Artikel zum Thema der professionellen Fotovermarktung über Bilddatenbanken in Zeiten der KI geschrieben.
Hier einige wesentliche Ausschnitte in deutscher Übersetzung (zum vollständiger englischsprachigen Artikel führt der Link unten):
„Seit zwei Jahrzehnten verkaufen Fotoagenturen Pixel. Der Preis dieser Pixel sinkt seit fast ebenso langer Zeit, und generative KI hat ihn nun fast vollständig aufgehoben.
Die Diskussion in der Branche dreht sich um eine einzige Frage: Wie können wir weiterhin Pixel verkaufen, wenn Pixel kostenlos sind?
Das ist die falsche Frage. Sie geht davon aus, dass das Produkt der Fotoagentur das Bild selbst ist. Das ist es aber nicht, und das schon seit Längerem nicht mehr.
Das Produkt der Agentur ist der verifizierte Kontext rund um das Bild: Wer hat es aufgenommen, wo, wann, unter welchen Bedingungen, mit welchem Anspruch auf Wahrhaftigkeit und mit welchen Rechten? Die Pixel sind der Träger, und der Träger ist nicht mehr knapp. Der Kontext hingegen schon.“
Und weiter:
„Ein Foto ist ein Zeugnis. Es ist die Spur des Lichts von einem bestimmten Ort zu einem bestimmten Zeitpunkt, eingefangen von einer bestimmten Person, die dabei war. Eine KI kann etwas erzeugen, das einem Foto ähnelt, aber es kann nicht das Zeugnis erzeugen, denn das Zeugnis ist die Verbindung zwischen dem Pixel und dem Ereignis, und diese Verbindung kann nur von jemandem hergestellt werden, der anwesend war.
Diese Asymmetrie ist entscheidend. KI kann in puncto Synthese vielleicht mit Texten konkurrieren. In Bezug auf Präsenz kann sie jedoch nicht mit Fotograf:innen mithalten. Was ein KI-System benötigt, um eine Aussage über die sichtbare Welt zu begründen, ist genau das, womit Fotoagenturen seit jeher arbeiten: eine verifizierte Kette, die zu einem tatsächlich stattgefundenen Moment zurückführt.
Das daraus entstehende Produkt ist keine Stockfotonutzungslizenzierung. Es handelt sich um eine Verifizierungsdienstleistung, die nur eine Agentur mit fundierter fotojournalistischer Expertise und lückenloser Dokumentation anbieten kann.
…
Die Frage der Lizenzgebühren schließt daran an. Den Fotograf:innen wird seit einem Jahrzehnt gesagt, dass die Bildnutzungshonorare sinken, und das zu Recht. Was bisher fehlte, war ein Modell, in dem der Wert des Werkes den Fotograf:innen - proportional zur Nutzung - zufließt.
Eine Lizenzgebühr pro Abruf bei Verifizierungsanfragen, die jedes Mal fällig wird, wenn bestätigt werden muss, dass von Fotograf:innen aufgenommene Fotos tatsächlich von ihnen stammen, ist genau dieses Modell. Es ist die erste plausible Antwort seit Jahren auf die Frage, wie der Zeuge für seine Aussage vergütet wird.
…
Die Agenturen, die dies umsetzen können, verfügen bereits über die notwendigen Voraussetzungen: ein Portfolio von Fotografen mit verifizierbarer Identität, einen kontrollierten Importprozess, eine Kultur, die Bildunterschriften und Metadaten ernst nimmt, und einen Kundenstamm, dem die Herkunft der Bilder bereits wichtig ist. Diese Beschreibung trifft auf die Nachrichtenagenturen (die DPAs, Reuters, Getty Images, die redaktionell ausgerichteten Anbieter) weitaus besser zu als auf die großen Stockfoto-Bilddatenbanken, deren Wirtschaftlichkeit eher vom Volumen als von der Verifizierung abhängt.
…
Fotoagenturen haben lange versucht, das digitale Geschäft zu verteidigen. Das Verifizierungsgeschäft ist da und spielt ausnahmsweise genau die Stärken aus, auf denen Fotoagenturen aufgebaut wurden: lückenlose Dokumentation, sorgfältige Bildunterschriften, Beziehungen zu Fotograf:innen und redaktionelles Vertrauen.“
Hier der gesamte Artikel in englischer Sprache - mit unzähligen spannenden Details und erklärenden Grafiken. Bei Öffnung des Links in Chrome wird er automatisch übersetzt: