In Memoriam Elfie Semotan

9. Juni 2026 durch
Gerhard SOKOL

Elfie Semotan bei ihrer Ausstellung "Portraits" in Hartberg 2024, Bericht in MEIN BEZIRK, Foto: Alfred Mayer

In Memoriam Elfie Semotan

Ein plötzlich auftretender Herzstillstand beim Schwimmen beendete das Leben unserer hochgeschätzten Kollegin Elfie Semotan kurz vor ihrem 85. Geburtstag. Es schmerzt sehr, den Tod unserer Doyenne - mit jahrzehntelanger Mitgliedschaft im Syndikat - zur Kenntnis nehmen zu müssen.

In Wels geboren, übersiedelte sie nach der Schule nach Wien, schloss eine Ausbildung in der Modeschule Hetzendorf ab und begann im Modesalon Gertrud Höchsmann zu arbeiten. Da die Perspektiven in der Wiener Modebranche begrenzt waren, zog sie 1961 nach Paris, ihrem Sehnsuchtsort, wo sie in kurzer Zeit eines der Topmodels wurde und bald ein Interesse an Arbeit hinter der Kamera entwickelte. Ihre Leidenschaft für die Fotografie vertiefte sich durch die Begegnung mit dem kanadisch-österreichischen Fotografen John Cook. Dies führte zum späteren vollständigen Wechsel in die Mode- und Portraitfotografie - die Fotografie wurde zu ihrer wahren Berufung! 

1971 kam sie nach Wien zurück und lernte bald Kurt Kocherscheidt, einen der damaligen jungen Wilden der Kunstszene, kennen, heiratete ihn und bekam mit ihm zwei Söhne. Ab 1976 kreierte sie die bekannten Werbekampagnen für Palmers und Römerquelle, wobei besonders die Plakate von Palmers für Aufregung sorgten („Wiener Wäschekrieg“).

Kaum affichiert, wollte ob ihrer Tätigkeit die Bundesinnung für Fotografie den Meisterbrief von ihr sehen – den Elfie ideell längst verdient hatte. 

Künstlerporträts von Hollywood-Stars sowie Modefotos für internationale Magazine wie Vogue, Elle, Harper´s Bazaar, Marie Claire und The New Yorker folgten. Mit dem österreichischen Modeschöpfer Helmut Lang, der auch in New York arbeitete, verband sie eine besondere Arbeitsbeziehung und Freundschaft. Nach dem Tod von Kurt Kocherscheidt ging sie 1992 ebenfalls nach New York.

Nach ihrer neuerlichen Rückkehr nach Wien 1996 heiratete sie Martin Kippenberger, den „wildesten der neuen Wilden“, der leider schon 1997 verstarb. Eine Reihe von hochwertigen Fotostrecken dokumentiert diese gemeinsame Zeit.

Ab 2003 erhielt sie eine Gastprofessur an der Universität für Angewandte Kunst und auch offizielle Ehrungen blieben nicht aus: 2004 erhielt sie das Goldene Verdienstzeichen des Landes Wien und 2011 das Österreichische Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst.

  

Die aktuellste „Goldmedaille“ wurde Elfie Semotan 2025 im FOTO ARSENAL WIEN von der Photographischen Gesellschaft verliehen, im Bild links der Präsident Prof. Werner Sobotka.
Foto: Gerhard Sokol

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Die Bildauffassung von Elfie Semotan ist sehr persönlich, kreativ und offen. Ihre Auslandsaufenthalte, das Zusammenleben mit Künstlern, Intellektuellen und Stars haben ihre Sehweise zwar beeinflusst, aber zum eigenständigen Umsetzen geführt. Ihre Aufnahmen atmen und haben Seele, sie wirken niemals negativ oder respektlos.

Das kleine Büchlein „Die Kamera“ von ihr und Ferdinand Schmatz bestätigt, dass nicht immer alles perfekt sein muss!  

Zitate:

„Großartig wird ein Bild, wenn das Handwerkliche zusammenfällt mit etwas Undefinierbarem - das technisch Perfekte zerstört alles Leben“.

„Ich habe gedacht, man könnte die ganze Werbelandschaft schöner und intelligenter machen!"

Elfie Semotan wird fehlen!

Unsere Anteilnahme gilt all ihren Angehörigen, Freunden und Wegbegleitern. Wir werden unsere außergewöhnliche, höchst kompetente und stets umgängliche Kollegin in würdiger Erinnerung behalten!

Im Gedenken

Gerhard Sokol, Präsident,
Axel Hubmann, Generalsekretär,

im Namen von Präsidium und Vorstand
SYNDIKAT FOTO FILM